FK

Familienkirche Schmuckerau

TreffpunktSchmuckerau

tp

Warum bleibt der Tabernakel nach dem Umbau in etwa an der alten Stelle?

Der Tabernakel wurde nicht vergessen und es handelt sich auch nicht um eine ästhetische Überlegung, sondern es entspricht den Ideen des Zweiten Vatikanischen Konzils.
Die Einführung in das römische Messbuch schreibt im Punkt „X. Die Aufbewahrung der Eucharistie“ (276):
Es wird sehr empfohlen, die Eucharistie in einer vom Kirchenraum getrennten Kapelle aufzubewahren, die für das private Gebet der Gläubigen und für die Verehrung geeignet ist. […]
Und Papst Benedikt XVI. fügte im nachsynodalen apostolischen Schreiben SACRAMENTUM CARITATIS hinzu:
In Verbindung mit der Bedeutung der Aufbewahrung der Eucharistie sowie der Anbetung und Ehrfurcht vor dem Sakrament des Opfers Christi hat die Bischofssynode sich gefragt, welches der angemessene Standort des Tabernakels in unseren Kirchen ist. Seine richtige Position hilft nämlich, die wirkliche Gegenwart Christi im Allerheiligsten Sakrament zu erkennen. Es ist nötig, daß der Ort, an dem die eucharistischen Gestalten aufbewahrt werden, für jeden, der in die Kirche eintritt, leicht auszumachen ist, nicht zuletzt auch durch das ewige Licht. Zu diesem Zweck muß die architektonische Anlage des sakralen Gebäudes berücksichtigt werden: In den Kirchen, in denen keine Sakramentskapelle existiert und der Hauptaltar mit dem Tabernakel fortbesteht, ist es zweckmäßig, sich zur Bewahrung und Anbetung der Eucharistie dieser Struktur zu bedienen und zu vermeiden, davor den Sitz des Zelebranten aufzustellen. In den neuen Kirchen ist es gut, die Sakramentskapelle in der Nähe des Presbyteriums zu planen; wo das nicht möglich ist, sollte der Tabernakel am besten im Presbyterium an einem ausreichend erhöhten Ort im Apsisbereich aufgestellt werden oder an einem anderen Punkt, wo er ebenso gut zu sehen ist. Solch umsichtige Maßnahmen tragen dazu bei, dem Tabernakel, der immer auch künstlerisch sorgsam gestaltet werden sollte, Würde zu verleihen. Natürlich ist es nötig, alles zu berücksichtigen, was die Allgemeine Einführung in das Römische Meßbuch zu diesem Thema sagt (siehe oben). Das letzte Urteil in dieser Sache liegt in jedem Fall beim Diözesanbischof.
Im Wesentlichen sind es zwei Gründe, die zu dieser Entwicklung geführt haben:

  1. Das zweite Vatikanische Konzil hat sich im Artikel 55 darauf besonnen, dass die Hostien in derselben Feier konsekriert worden sein sollten, in der sie von den Gläubigen verzehrt werden:
    „55. Mit Nachdruck wird jene vollkommenere Teilnahme an der Messe empfohlen, bei der die Gläubigen nach der Kommunion des Priesters aus derselben Opferfeier den Herrenleib entgegennehmen.“
    Rahner / Vorgrimmler kommentieren hierzu:
    „Im ersten Teil von Artikel 55 wird ein Wunsch der Enzyklika „Mediator Dei“ „mit Nachdruck“ wiederholt, der auch ökumenisch von großer Bedeutung ist: die Kommunion soll aus derselben Feier, also möglichst nicht aus dem Tabernakel, genommen werden; das wird als „vollkommenere Teilnahme“ an der Messe bezeichnet.“
    ursprünglich wurde nur das Brot gewandelt, dass auch in der Messe von den Gläubigen empfangen wurde, plus eines kleinen Überschusses, der den Kranken der Gemeinde gebracht wurde (Ursprünge der Krankenkommunion). Erst die zunehmende Verehrung der Eucharistie außerhalb der heiligen Messe, die in sich ein Schatz des katholischen Glaubens ist, die damit verbundene „Schaufrömmigkeit“ und der Rückgang des Kommunionempfangs durch die Gläubigen führten zu der bekannten Praxis, oft nur mehr die Hostie des Priesters zu wandeln und an die Gläubigen in anderen Gottesdiensten vorkonsekrierte Hostien zu reichen.
    Durch die vom Zweiten Vatikanischen Konzil empfohlene Praxis sollte die Dimension der Messe, die an das gemeinsame Mahl Jesu mit den Jüngern erinnert, wieder stärker betont werden (ohne dabei die Dimension des Opfers zu vernachlässigen).
  2. Und daraus ergibt sich der zweite Grund, den ich als Problem der zwei Zentren beschreiben möchte: Das Allerheiligste ist das Zentrum der Verehrung im Kirchenraum, Ort der besonderen Gegenwart Gottes, weil wir glauben, dass Jesus Christus selbst im gewandelten Brot anwesend ist. Zugleich ist aber der Altar, an dem die Messe gefeiert wird in vielfältiger Weise Symbol für Jesus Christus und Mitte des Gottesdienstes. Zwei Zentren bringen aber immer eine Unruhe mit sich, wie Sie selbst in vielen Kirchen beobachten können: Wenn zum Beispiel die Lektor/innen zum Ambo gehen, um die Lesung zu verkünden. Es ist gute Praxis, wenn sich der/die Lektor/in als Zeichen der Ehrfurcht und Mittel zur Sammlung verneigt, bevor sie zu lesen beginnt. Aber hier beginnen die Schwierigkeit, denn manche/r Lektor/in verneigt sich instinktiv vor dem Tabernakel und nicht vor dem Altar und es ist nicht immer und überall möglich einen Punkt zu finden, an dem Altar und Tabernakel in einer Linie liegen. Ich kann auch verstehen, wenn Priester dann lieber zur alten Zelebrationsrichtung zurückkehren wollen. Denn auch bei mir löst es ein leichtes Unbehagen aus, dass ich die ganze Messe sozusagen mit dem Rücken zum Allerheiligsten feiern muss.
Erstellt von: Tom Kruczynski
am 29. Oktober 2014
postmaster(at)gutwillinger.at
Tom Kruczynski